Geschrieben von: Peter Hellinger Donnerstag, den 14. Dezember 2006 um 22:42 Uhr
Eine weitere Aufgabe in der Schreibwerkstatt war folgendes: In der Geschichte müssen folgende Begriffe vorkommen: Schach, Salzstangen, Bahn fahren, Fettnäpfchen, Sauerkirschen, Schatzsuche, Flunsch, Sudoku, Sonnenbrand, fotografieren, Gesülze. Zeitlimit war eine Stunde. Wer jetzt glaubt, das sei leicht, der soll es mal selbst ausprobieren! Viel Spaß mit der Geschichte!Überraschung am Morgen
Das schrille Piepsen des Weckers riss mich aus dem Schlaf. Verdammt, wieder war die Nacht zu kurz gewesen. Aber die Partie Schach mit Schmidti war einfach nicht zu Ende gegangen, und so kam ich erst gegen Zwei ins Bett. Diesmal hatte ich Schmidti wenigstens ein Remis abgetrotzt – ich bin ein lausiger Schachspieler.
Behäbig tapste ich ins Bad und machte das Licht an. „Ich kenne dich nicht, aber ich wasche dich trotzdem“ murmelte ich müde zu dem Typ im Spiegel und zog einen Flunsch. Der Spiegel zahlte mit gleicher Münze zurück. Nach einer heißen Dusche fühlte ich mich besser. Ich zog mich rasch an und ging in die Küche, als das Telefon klingelte.
„Hallo Peter“ hörte ich die Stimme meines Chefs. „Du musst heute einen Termin für mich übernehmen!“ „Gut, dass du es erwähnst, Chef!“ entfuhr es mir und ich biss mir auf die Zunge. Solche Fettnäpfchen sollte ich vermeiden, mein Boss hatte nur wenig Verständnis für meine Witze, aber dieses „Ja Chef, gerne Chef“-Gesülze liegt mir einfach nicht. Zum Glück ging er nicht näher darauf ein: „Du musst zur Baustelle nach Köln, um Vierzehn Uhr ist Termin mit der Oberbauleitung. Ich kann nicht, hab einen anderen Termin.“ „Geht klar Boss“ sagte ich knapp, legte auf und warf das Telefon wütend auf den Schreibtisch. „Wieso waren seine Termine immer wichtiger als meine?“ fragte ich mich selbst, aber die Antwort sparte ich mir. Wenigstens kann ich beim Bahnfahren noch ein wenig Schlummern und so den verpassten Schlaf nachholen. Der Gedanke war schon besser.
Ich ging in die Küche, öffnete den Kühlschrank und blickte verdrossen auf die Überreste des gestrigen Abends: „Sauerkirschen und Salzstangen: wenn das nicht ein tolles Frühstück gibt?“ sagte ich laut. „Mau!“ tönte es vom Boden her. Wenn etwas zuverlässig diesen faulen Kater weckt, war es das Geräusch der Kühlschranktür. „Na, Dicker“ begrüßte ich ihn, „Kirschen oder Salzstangen, was beliebt der Herr zu speisen?“ Dicker unterbrach das ausgiebige Schlecken seiner rechten Vorderpfote um mir einen verachtenden Blick zuzuwerfen. „Schon gut, du kriegst natürlich Thunfisch!“ Na ja, so richtig beneidete ich ihn deswegen nicht.
Nachdem Dicker versorgt war, braute ich mir eine Tasse Pulverkaffee, ging zum Schreibtisch und warf den Computer an. „Mal sehen, wann der Zug nach Köln geht“ murmelte ich mehr zu mir selbst, und gab die Adresse der Bahn-Homepage ein. Den richtigen Zug zu erwischen gleicht einer Schatzsuche: Die Abfahrzeiten müssen passen, und möglichst nicht einen überfüllten Zug treffen, sonst steht man wieder bis Frankfurt auf dem Gang. Ich nahm den ICE um 8:38 Uhr. Bis dahin hatte ich noch gut eine Stunde Zeit. Flugs waren die Kreditkartendaten eingegeben und die Fahrkarte schob sich aus dem Drucker. Prima Sache, das Internet.
Mein Blick fiel auf Dicker, der sich genüsslich sein vor Thunfischsaft tropfendes Schnäuzchen ableckte. Das sah so drollig aus, irgendwann musste ich ihn mal dabei fotografieren. Im Radio kam gerade der Wetterbericht: Es sollte ein sonniger Tag werden. „Bloß keinen Sonnenbrand kriegen“ dachte ich, packte eine Tube Creme zu dem Sudoku-Rätselheft in meinen Rucksack, schnappte mir meine Jacke und machte mich auf den Weg zum Bahnhof. Der Tag konnte kommen!
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You may feel disappointed somehow, as most of my pages are written in German. And it’s true, they should be understandable to much more people than they are now. Well, the truth is, I would provide two versions if I had the time to maintain both of them…