Geschrieben von: Peter Hellinger Donnerstag, den 03. Mai 2007 um 22:26 Uhr
So, das ist nun die dritte und letzte Fassung von "Jagdfieber". Diese Version habe ich letzten Montag auch öffentlich im Literatur-Café vorgelesen, hat ganz gut Anklang gefunden - wohl weil die vorhergehende Geschichte etwas verwirrend war. Hier noch die Links zu den Vorgängerversionen, damit man die Entwicklung vergleichen kann: Jagdfieber - die Rohfassung und Jagdfieber 2Jagdfieber
Überrascht schaue ich mich um: War das ein Raubtier? Wieder tönt das Brüllen durch den Wald. Das muss drüben vom Zoo kommen, von dort hört man öfters die Laute der Tiere, nur die großen Raubkatzen habe ich noch nie gehört, der Wind muss wohl günstig stehen.
Die Sonne dringt langsam durch den morgendlichen Nebel und wirft goldene Flecken auf Bäume, Sträucher und Wiesen. Ich überquere eine breite Schneise mit Hochspannungsmasten und folge dem langsam ansteigenden Schotterweg. Etwa die Hälfte meines Waldlaufs habe ich schon geschafft, gleich nach der nächsten Biegung kommt der kleine Abzweig, der mich wieder auf den Rückweg bringt.
Reif glitzert auf braunen Blättern am Boden und irgendwo vor mir, aufgeschreckt vom Klang meiner Schritte, schreit ein Vogel eine Warnung für seine Artgenossen. Unsicher bleibe ich stehen: Schon wieder das Brüllen! Aber das kam doch nicht aus der Richtung des Zoos? Das war irgendwo seitlich von mir. Während ich mich umblicke, spüre ich, wie sich meine Nackenhaare aufrichten. Ist es möglich, dass aus dem Zoo ein Tier - vielleicht sogar ein Tiger - entkommen ist?
Diese Geschichte mit den Eisbären kommt mir in den Sinn, ist schon ein paar Jahre her. Irgendjemand hatte das Gatter im Zaun offen gelassen und die Tiere konnten entkommen. Der Tierarzt des Zoos musste beide Bären erschießen, weil das Betäubungsmittel nicht wirkte und die Bären in die Siedlung am Waldrand eindrangen.
Ich blicke mich um, doch der Weg ist leer, und außer den Fichten, die sich leicht im Wind biegen, ist keine Bewegung zu sehen. „Alles Quatsch!“ sage ich laut. „Du allein im Wald, und ausgerechnet jetzt soll sich ein entlaufener Tiger hier herumtreiben. Lächerlich!“ Beim Weiterlaufen versuche ich jedoch möglichst wenig Lärm zu machen, aber der Schotter knirscht entsetzlich laut unter meinen Laufschuhen. Überhaupt ist der Wald ist nun voller Geräusche. Angst kriecht meinen Rücken hinauf, und flüstert mir ins Ohr: „Er ist hinter dir her …“
Mein Magen krampft sich zusammen, als ich abschätze, wie weit es noch bis zur Siedlung ist. Keuchend hetze ich den Weg entlang, den Blick nach links und rechts werfend. Da vorne muss doch gleich das kleine Teersträßchen kommen! Wenn ich es zur Siedlung schaffe, bin ich in Sicherheit! Meine Beine schmerzen, jeder Atemzug brennt in meiner Lunge und das Blut pocht wie ein gewaltiger Hammer in meinem Schädel.
Beinahe stürze ich, als ich aus vollem Lauf stehen bleibe. Meinen rasenden Herzschlag glaube ich als Echo von den Bäumen zu hören. Und noch etwas höre ich: Den Tiger! Genau vor mir erklingt sein Gebrüll, lauter und deutlicher als je zuvor!
Wohin nur? Umdrehen und zurück? Quer durch den Wald habe ich keine Chance. Wenn ich der Straße folge, könnte ich vielleicht an der Raubkatze vorbeikommen, ohne von ihr bemerkt zu werden. Gebückt schleiche ich weiter. Noch immer hämmert das Blut in meinen Schläfen und lässt mich nicht klar denken. Vorne, am Ende des Waldes kann ich schon die ersten Häuser sehen. Soll ich es wagen und mein Heil in einem schnellen Sprint suchen?
Direkt hinter mir kracht es, und aus den Augenwinkeln glaube ich ein großes Tier durch das Unterholz springen zu sehen. Ich renne um mein Leben. Wie durch einen roten Nebel fliegen die Bäume an mir vorbei, schon glaube ich den heißen Atem des Tigers in meinem Nacken zu spüren. Mit letzter Kraft stürme ich auf den Platz vor den Häusern, strauchle und stürze hart auf den Asphalt. Keuchend bleib ich liegen, unfähig nach Hilfe zu rufen und erwarte den tödlichen Schlag der Tigerpranke.
Doch nichts geschieht. Kein Tiger bricht zähnefletschend aus dem Dickicht.
Nach Atem ringend rolle ich mich herum, um nach meinem Jäger Ausschau zu halten. Doch der Waldrand liegt ruhig und verlassen da. Nur ein großes Schild hängt an einem Laternenpfahl. „Zirkus Salazar“ steht da in großen prächtigen Lettern. „Besuchen Sie unsere Vorstellung mit der berühmten Tigerdressur! Festplatz am Waldrand.“
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You may feel disappointed somehow, as most of my pages are written in German. And it’s true, they should be understandable to much more people than they are now. Well, the truth is, I would provide two versions if I had the time to maintain both of them…