Wir hatten einen Zettel mit einem Wort (Peitschenhieb), ein Foto von einer Person (ein blindes Mädchen auf einer Parkbank) und ein Bild einer Landschaft (See mit Segelbooten) bekommen. Wir sollten uns in die Person versetzen und einen Text aus ihrer Sicht schreiben.

 
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Der Kies knirscht, Schritte nähern sich. Lange Schritte, fester Tritt, ein Herrenschuh. Nein, das ist nicht Christoph, sein Schritt ist leichter, er trägt immer diese Turnschuhe. Wo er nur bleibt? Ich taste nach der Uhr, klappe das Glas auf und spüre die Zeiger. Viertel nach Drei schon …

Der Mann ist stehengeblieben, er verdeckt die Sonne, die es sich auf meinen Händen und meinem Gesicht bequem gemacht hat. Als ihre Strahlen weg sind, merke ich die Kühle des Frühlingstages auf meiner Haut. Er fragt mich, ob hier noch frei ist. Ich rutsche ein Stück auf der Bank, mit der Hand vorausfühlend, die Kante ahnend, und mache ihm Platz.

Er will noch etwas sagen, räuspert sich, den Kopf zu mir gewandt - Pfefferminzduft verrät es mir - weiß nicht, wie er beginnen soll, und ich mache es ihm auch nicht leicht. Seine Hände machen ein Geräusch, es raschelt wie Papier, trocken und faltig. Ein älterer Mann, oder jemand, der viel mit den Händen arbeitet.

Na gut, ich will mal nicht so sein, und frage ihn, on ich ihm helfen kann. Es täte ihm leid, er wollte mich nicht anstarren. Seine Stimme klingt rau und überrascht. Ja, ein älterer Mann, jetzt höre ich es genau. Ich sage ihm, das mir das nichts ausmacht, ich bin es gewohnt.

Stockend beginnt er zu erzählen: Er hätte mich sitzen sehen, und ich würde ihn an seine Tochter erinnern. Das Haar, die Haltung, mein Lächeln – ich frage mich, wann ich wohl gelächelt habe? Nur eins wäre seine Tochter nicht gewesen: Blind. Aber sie ist tot, ertrunken bei einem Segelausflug.

Ich schlucke, berührt von seiner Offenheit. Ich frage ihn, ob ich ihn ‚ansehen‘ darf, und sein verblüfftes „Äh“ lässt mich grinsen. Mit den Händen, erkläre ich, ich sehe mit den Händen.

Behutsam taste ich sein Gesicht ab: Die kurzen Stoppelhaare, die faltige Stirn, die kaum vorhandenen Augenbrauen. Während meine Finger den Wangenknochen folgen, spüre ich die große Narbe an seiner rechten Seite, wie aufgeplatzt, von seinem Bart gut verdeckt.

Wie er dazu gekommen ist, will ich wissen. Sein Gesicht verzieht sich unter meinen Händen zu einem Lächeln. Das wäre eine lange Geschichte, meint er, und ob ich wohl eine Tasse Kaffee mit ihm trinken würde, während er sie erzählt. Ich stimme zu, greife nach meinem Stock und hake mich bei ihm ein. Christoph habe ich völlig vergessen.

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