Haustürgeschäfte

Dienstach Nacht klingelt’s an der Tür. Ich denk’ mir nix, mach auch nich’ auf. Könnt’ ja jeder. Außerdem ham die Jungs aus der WG gesacht: »Witte«, hamse gesacht, »lass niemand rein, wenn wir nicht da sind!«

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Dosenwurst

Frau Dittmer? Die soll das gesagt haben? Nein, das glaube ich nicht, die lügt doch schon, wenn sie den Mund aufmacht. Ich meine: die und ihr ekliger kleiner Pudel! Hat immer an unsere Ladentüre hingepinkelt. Würden Sie denn so einer glauben, Herr Kommissar?

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Der Dolch

Weißt du, wovor mir wirklich ekelt? Das „danach“. Oder meinetwegen auch schon das „dabei“. Wenn du so einen Stümper hast, der nicht mit dir umgehen kann, der mehr Angst vor sich selbst hat, als Hass auf den anderen. So ein armes Würstchen, das nicht zu Ende führt, was es begonnen hat, du verstehst?

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Schwarzer Engel

Wie viele waren es diesmal, sieben Milliarden? Antonius hatte aufgehört zu zählen, es machte ihn müde. Er lehnte an einer Balustrade hoch über der größten Stadt des Planeten und starrte auf die Zerstörungen. Die einstmals prächtigen Häuser lagen in Schutt, Stahlstreben ragten wie Skeletthände dazwischen hervor. Zwischen den Schuttkegeln sah er die Reste von Fahrzeugen, mit denen die Bewohner zu fliehen versucht hatten. Das Ergebnis ist immer das gleiche, dachte er, alle tot und die Seelenfänger hatten reiche Beute.

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Kaltes Land

Wachen. Schlafen. Schlafen und Träumen. Und wieder Wachen. Sonnenlicht glitzert durch Bäume. Blätter fast so groß wie seine Hand. Schatten spielen Fangen mit den Sonnenstrahlen auf seinem dunklen Gesicht. Seine Augen sind geschlossen, die Füße hat er auf die Parkbank hochgelegt. Der Duft von trockenen Gräsern und das Summen der Insekten erinnern ihn an zu Hause. Träumen – schlafen – vergessen. Die Parkbank und der Sonnenschein machen es ihm leicht.

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Nighttalk

Das Zimmer riecht nach kaltem Zigarettenrauch und zu viel Parfüm. An der Rückwand steht die ganze Technik: Kamera, Bildschirme und PCs. Ein Bildschirm zeigt den laufenden Chat, ein Zweiter eine Großaufnahme des Betts.

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Der Kaktus

Der Kaktus stand auf dem Fensterbrett. "Ich habe es satt, hier rumzustehen und mit Wasser begossen zu werden!" sagte er eines Tages. Sachte zog er die Wurzeln aus dem Blumentopf, klopfte die Reste von Erde ab und verließ das Haus.

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Kälte

Eine Hand berührt mich am Arm, ich drehe mich um und blicke in ein stark geschminktes Frauengesicht. Ob ich ihr etwas ausgeben würde, einen Piccolo. Klar, warum nicht. Sieht zieht mich hinüber zu einem der Tische in der Ecke, und ich lasse es geschehen. Das Teelicht in der zerknitterten Papiertüte verbreitet verzweifelte Romantik auf dem Tischchen.

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Fleischeslust

„Nun zier dich nicht so, Mäuschen! Papa ist mal wieder in Stimmung.“ Mit einem Grunzen setzte sich Günther auf den Küchenstuhl, sein dicker Bauch quoll unter dem zu knappen T-Shirt hervor. Lüstern beobachtete er, wie Helga in ihrem dünnen Sommerkleidchen vor der Küchenzeile hin und her huschte, während sie das Abendessen vorbereitete.

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Ein netter älterer Herr

Man sah es ihm nicht an. Nicht, dass man so etwas irgend jemand angesehen hätte. Aber wenn – dann ihm ganz bestimmt nicht. Er war einfach nur ein netter älterer Herr um die 60, mit grauem, kurz geschnittenem Haar, wachen blauen Augen und vielleicht etwas zu buschigen Augenbrauen in einem Gesicht, das weder besonders faltig noch besonders glatt wirkte.

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Das Haus

Die wurmstichigen Dielen knarrten unter seinen Füßen, als er das Haus betrat. Leise schloss er die Tür und sperrte die Nebelnacht aus. Behutsam tastete er nach dem Lichtschalter. Seine Fingerspitzen spürten dem auf Putz verlegtem Kabel nach, fühlten den samtenen Stoff mit dem der Draht umwickelt war. Mein Gott, dachte er, das Haus ist aber wirklich alt. Seine Hand fand das Kästchen des Schalters und drehte den Knebel.

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Schwebezustand

Wenn ich den Verstand verloren habe, soll mir das auch recht sein. Mir ist neulich etwas passiert – aber ich will der Reihe nach erzählen … Es war ein arbeitsreicher Tag und ich war sehr müde. Für meine Verhältnisse ging ich früh ins Bett, aber die Ereignisse des Tages ließen mir keine Ruhe. Schlaflos wälzte ich mich umher und glitt in eine Art Dämmerzustand, mehr Traum als Schlaf.

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