
Wieder eine Reizwortgeschichte. Diesmal waren unterzubringen: [red]Verwaschen, langweilig, Rüssel, Schlamassel, Blendwerk, schütter, klumpig, Heidekraut, Fresssucht, weinen, Lichtjahre[/red]. Ich hab die Liste diesmal von hinten aufgerollt, und dieser Fassung der Geschichte den „Rüssel“ gegen eine simple Nase getauscht, weil er einfach unpassend zum Thema Geschichte ist.
Heute scheint es mir [red]Lichtjahre[/red] weit weg, doch manchmal, nachts, wenn der Vollmond mir den Schlaf raubt, kommt die Erinnerung hoch, und ich höre Mutter [red]weinen[/red], wie damals, in jener Nacht …
Sie saß in der Küche, vor dem offenen Kühlschrank, und zuerst dachte ich, sie gebe wieder ihrer [red]Fresssucht [/red]nach. Das Licht des Kühlschranks zeichnete sie als übergroßen Schatten an die Wand, und ihre fahrigen Bewegungen ließen das [red]Heidekraut [/red]vor dem Fenster im trüben Schein der Glühlampe sichtbar werden. Ihre Hände hielten eine Packung Butter, ganz [red]klumpig [/red]und verformt, als wäre sie schon lange in ihrer Hand. Ihr Haar stand wirr in alle Richtungen und erst jetzt fiel mir auf, wie [red]schütter [/red]es geworden war, grau und ausgemergelt wie Mutter selbst, jetzt wo nicht mehr das [red]Blendwerk [/red]der Contenance den Blick auf sie verhüllte.
„Was für ein [red]Schlamassel [/red]hat er gesagt“ murmelte sie immer wieder während Tränen über ihre Wangen liefen, „Was für ein Schlamassel“ und ihre Hände bearbeiteten weiter das Stück Butter.
Sie machte mir Angst, so wie ich sie da sitzen sah und ich wünschte mir, ich hätte meine Nase nicht in diese Sache, sondern lieber in meine [red]langweiligen [/red]Schulbücher gesteckt. Ich schlich zurück in mein Zimmer, vorbei an der Garderobe. Mein Blick verfing sich an Vaters Spazierstock aus jenem [red]verwachsenen [/red]Ast, ohne den er nie weggegangen war, selbst dann nicht, als er ins Krankenhaus musste. Und plötzlich wurde mir klar was passiert war: Vater hatte den Kampf gegen den Krebs verloren.